Kolloquium „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung“

Politik der kleinen Schritte

Der Heidengraben weckt Begehrlichkeiten. Die wohl einst größte keltische Siedlung Mitteleuropas, die sich zwischen den heutigen Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten erstreckte, gilt als archäologisches Juwel im Dornröschenschlaf. Wie man den Heidengraben touristisch nutzen könnte, war das Thema des zweitägigen Kolloquiums „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung“ in Grabenstetten.

Eingeladen hatten das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, FAKT e.V., die Universität Tübingen, die Gesellschaft für Archäologie und der Verein Keltenwelten. Dem Ruf folgten Archäologen von nah und fern, Praktiker verschiedener Fachrichtungen, die Bürgermeister der drei Gemeinden sowie zahlreiche Interessierte. Zwei Tage wurde im Gasthof Lamm in Grabenstetten referiert über aktuelle Entwicklungen, Standpunkte und über Erfahrungen mit bereits bestehenden Projekten.
Denn auch die heutigen Bewohner des Heidengrabens träumen von einer Sichtbarmachung ihrer Vergangenheit. „Man ist sich hier in der Region am Heidengraben des keltischen Erbes bewusst“, betonte der Grabenstettener Bürgermeister Harald Steidl in seiner Begrüßungsrede. Es sei ja in jüngster Vergangenheit schon einiges passiert, bezog sich Präsident Claus Wolf vom Landesamt für Denkmalpflege auf die Große Landesausstellung 2012, die Ausstellung in Erkenbrechtsweiler, das Keltenfest und den neu aufgelegten und überarbeiteten Heidengrabenführer. Er stellte vor allen Dingen die Bemühungen von FAKT heraus, der dafür 2012 auch mit dem Förderpreis Archäologie des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde: „Der Heidengraben hat ein großes wissenschaftliches und touristisches Potenzial. Das ganze Projekt ist für die Landesdenkmalpflege hochinteressant.“

Ein großer Mitspieler in Mitteleuropa

Aber von Seiten der Archäologen wurden auch mahnende Stimmen laut: Natürlich ist die Sehnsucht nach Rekonstruktion verständlich – die Gefahr ist aber auch groß, Befunde zu zerstören oder auch Inhalte falsch darzustellen, weil die Wissenschaft stetig im Fluss ist und immer wieder ganz neue Erkenntnisse liefert. „Sie haben ein spannendes Monument, sind auf mitteleuropäischer Ebene einer der großen Mitspieler“, sagte der Wiener Kelten-Experte und Archäologe Wolfgang Lobisser, „Aber sie wissen auch viel zu wenig über das, was sie hier haben – zerstören sie das nicht, investieren sie in die Forschung.“
Auch die Entwicklung am Freilichtmuseum Heuneburg spricht zunächst nicht unbedingt für eine „große“ Lösung am Heidengraben. Der oft als „schwäbisches Troja“ bezeichnete 2500 Jahre alte keltische Fürstensitz geriet finanziell ins Schlingern, die Besuchermassen blieben aus, Sponsoren ebenso: Erst in letzter Minute wurde das Museum durch eine kräftige Finanzspritze
des Landes vor der Schließung gerettet.
Geträumt werden darf in der Region am Heidengraben aber noch. Und wenn das keltische Erbe doch einmal sichtbar gemacht werden soll, dann in Form eines Heidengrabenzentrums nach dem Muster der Keltenwelt am Glauberg im hessischen Wetteraukreis. „Das wäre ein gutes Vorbild“, bestätigt Peter Heiden, der 1. Vorsitzende von FAKT, schränkt aber gleich ein: „Derzeit sehe ich aber keine Chance auf Verwirklichung.“ Immerhin: Die drei Gemeinden haben die ersten Weichen gestellt und die gewünschten Grundstücke am Burrenhof in ihren Besitz gebracht.

Eins wurde klar bei der Veranstaltung in Grabenstetten – wenn es mal ein Heidengrabenzentrum geben sollte: Es wird noch einige Zeit dauern. „Das Kolloquium war für unsere Region ein voller Erfolg und gibt wichtige Anstöße für die weitere Entwicklung“, so Peter Heiden. Doch bei den Vorträgen wurde den Verantwortlichen eben auch transparent, dass eine verantwortungsvolle Umsetzung der großen Ideen einige Jahre in Anspruch nehmen wird.
„Deshalb wird es erst nur kleine Schritte geben“, sagt der FAKT-Vorsitzende weiter, „Diese Schritte wird es aber in jedem Fall geben, damit die Sache voran geht.“ Zunächst sollen nun in Arbeitskreisen Ideen sortiert werden, diskutiert und auch zusammen mit den drei Gemeinden auf ihre finanzielle Machbarkeit hin abgeklopft werden. Auf Eis gelegt werden die großen Projekte wie das Heidengrabenzentrum also nicht, aber es sollen zunächst machbarere Ideen wie etwa ein kleiner Info- Pavillon oder mehr themenbezogene Wanderrouten inklusive Infotafeln in Angriff genommen werden.

Text: Kerstin Dannath

Weitere informationen zum Thema:
FAKT – Förderverein am Heidengraben: www.fakt-heidengraben.de
Kelten-Heidengraben: www.heidengraben.com
Denkmalpflege BW Pressmitteilung für die Veranstaltung

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