Raiffeisenbank Vordere Alb – Interview Fritz-Ulrich Herter

Interview Fritz-Ulrich Herter

Jetzt winkt die große Freiheit

41 Jahre seines Lebens war Fritz-Ulrich Herter „Banker“. 30 Jahre davon als Vorstand tätig. Jetzt, mit 59 Jahren, geht er in Altersteilzeit. „Ich freue mich, aber es tut auch ein bisschen weh“, sagt er wenige Stunden vor seinem letzten, offiziellen Arbeitstag in der Hülbener Bankfiliale.

Wir fragten nach, wie es sich anfühlt, schon bald vermeintlich „ganz viel Zeit“ zu haben und blicken zurück in vier Jahrzehnte Berufsleben.

Schon morgen kommt der Tag des großen Abschieds. Wie fühlt es sich an?
„Mir ist mulmig zumute, aber ich habe mich lange darauf vorbereitet. Ich freue mich, dass meine Kinder morgen kommen und bei der Verabschiedung dabei sind. Ganz leicht wird es sicher nicht.“

Der kurze Blick zurück. Wie würden Sie ihn beschreiben?
Ich habe es immer gut gehabt. Die Banken, die ich geleitet habe, kamen nie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Risiken sind im Kreditgeschäft immer vorhanden, doch wir haben das immer gut hinbekommen. Wenn es einen Ausfall gab, dann ist das mit einem harmlosen Blechschaden am Auto zu vergleichen, mit dem man 40 Jahre lang zig tausend Kilometer gefahren ist.“

Sie spielen auf Ihre jahrzehntelange Arbeit im Kreditgeschäft an?
„Ja. Ich durfte viele Existenzen gründen und (sinnbildlich) zahlreiche Häuser für junge Familien bauen. Weit mehr, als Tiefschläge oder geplatzte Kredite einstecken. Das ist ein sehr gutes und schönes Gefühl.“

Wie sind Sie mit Menschen umgegangen, die ganz offensichtlich über ihre Verhältnisse leben?
„Vorwürfe machen hilft hier nicht weiter. Diese Menschen sind aber auch nicht Opfer unserer Gesellschaft. Geduldig habe ich ihnen vorgerechnet, was reinkommt und was auf der Ausgabenseite steht. Sie zur Einsicht zu erziehen, war mein Ziel. Das ist mir eigentlich immer gut gelungen.“

Was würden Sie in den vier Jahrzehnten Berufsleben bei der Bank für sich persönlich als Highlight bezeichnen?
„Da gibt es nicht ein Highlight, sondern ein paar Highlights. Es ist wichtig, dass man mit Menschen umgeht, ob Kunden oder Mitarbeiter. Insgesamt habe ich es auf der Alb so gut gehabt, weil die Menschen dort so gut sind. Ich habe Vertrauen gegeben und Vertrauen zurückbekommen. Das sind die Momente, in denen man sagt, es hat sich alles gelohnt.“

„Was empfanden Sie in dieser Zeit als schwierig für sich?“
„Sich mit Mitarbeitern auseinanderzusetzen und umzugehen, war das Schwierigste und zugleich das Schönste für mich (lacht). Ich kann es nur so beschreiben: Hier gibt es Parallelen mit dem Elternsein. Es sind die täglichen Kleinigkeiten, die nicht gemacht oder erledigt werden, die einen tierisch nerven und einem im Alltag unnötig das Leben schwermachen. Aber auch hier gilt: Es hat sich alles gelohnt!“

Stichwort „Vertrauen“ – ein Chef muss ab und an auch Entlassungen aussprechen. Wie geht man persönlich damit um?
„Jemanden entlassen zu müssen, war das Schlimmste in meinem Berufsleben. Zu merken, man hat reichlich Vertrauen investiert und wurde dabei womöglich betrogen, ist niederschmetternd. Ab und an muss man einen Schnitt ziehen, auch wenn das Gefühl der unguten Trennung bleibt. Zum Glück kam das in den letzten 30 Jahren nicht oft vor.“

Sie haben sich bewusst für Altersteilzeit entschieden. Warum?
„Oft läuft das Leben anders als man denkt. Vor rund sechs Jahren habe ich mich persönlich dazu entschlossen. Der Job ist nicht alles. Ich kann mein Leben eine Stufe zurückfahren und trotzdem gut leben. Ich möchte mir selbst ein paar Jahre zurückgeben und das Leben einfach auf mich zukommen lassen.“

Gibt es schon Pläne, wenn die Pflicht nicht mehr ruft?
„Man sollte nicht immer große Pläne machen. In erster Linie hoffe ich, dass ich gesund bleibe. Das steht an erster Stelle. Außerdem will ich mich in ehrenamtlichen Projekten engagieren und nicht mehr für Geld schaffen. Verreisen, sich Zeit für Menschen und Dinge nehmen und körperlich bewegen, darauf freue ich mich. Und einfach die Dinge machen, die ich will.“

Was passiert mit Ihren vielen Krawatten?
„Die erste, mit der ich meine Lehre angefangen habe, hebe ich auf. Der Rest kommt weg und die Anzüge in den Keller (lacht).“

Das Interview führte Patricia Kozjek.

 

Google+