Ortsportrait Würtingen

Würtingen

Das größte Dorf der Gemeinde St. Johann

15 Kilometer entfernt von Reutlingen liegt St. Johann mit seinen sechs Ortsteilen. Der Hauptort und das zugleich größte Dorf ist Würtingen. Von dort aus führen Straßen in alle anderen umliegenden Dörfer. Würtingen ist mit seinen knapp 21 Quadratkilometern Fläche als Mittelpunktgemeinde der offizielle Verwaltungssitz und mit rund 1600 Einwohnern auch der bevölkerungsreichste Ortsteil der Gemeinde St. Johann.

Würtingen ist bis heute ein ländlich geprägter und lebenswerter Ort und – im Gegensatz zu den anderen fünf Ortsteilen von St. Johann – mit allen Angeboten der Nahversorgung ausgestattet. In alten Beschreibungen wird der Ort „als einer der stattlichsten im Oberamt (Urach)“ bezeichnet. Die vielfach zweistöckigen Häuser zeugen bis heute vom Wohlstand der Bewohner. Die Dorfmitte ziert das große Rathaus errichtet im Fachwerkstil als Bauern- und Wirtshaus anno 1744. Mit dem Bau hatten sich die ursprünglichen Eigentümer wohl etwas übernommen – links von der Tür ziert der eingravierte Vers „Bauen ist ein schöner Lust / hat viel gekost / habs nicht gewußt / 1744“ das stattliche Haus.

Im Ortszentrum befinden sich viele der für diese Gegend typischen Bauern- und Fachwerkhäuser. Obwohl viele Landwirte in den letzten Jahrzehnten ihren Betrieb aufgegeben haben, ist Würtingen heute immer noch ein sehr ländlicher Ort mit festen Agrarstrukturen. Ein liebevoll gestalteter Brunnen plätschert auf dem Dorfplatz vor sich hin. Durch eine kleine Gasse kommt man zu der spätbarocken evangelischen Andreaskirche mit schönen Decken- und Wandmalereien. Der Friedhof von Würtingen befindet sich rund um diese Kirche.

Etwas außerhalb liegt auf Würtinger Gebiet die Hohe Warte, ein bekannter Aussichtsturm auf 820 Meter. Hier steht auch ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das später noch mit denen des Zweiten Weltkrieges erweitert wurde. Dort trifft sich alljährlich am zweiten Sonntag im Oktober der Schwäbische Albverein, um an die Gefallenen zu erinnern.

Reich an Schönheiten der Natur

Würtingen ist ein idealer Ausgangsort für Wanderungen auf der Schwäbischen Alb. Die Umgebung ist reich an Schönheiten der Natur: Wander- und Radwege erstrecken sich kilometerweit vom Albtrauf bis zum Beginn des Lautertales bei Gächingen. Neben Wiesen, Wäldern und Getreidefeldern gibt es hier auch die Wacholderheiden, für die die Schwäbische Alb so berühmt ist. Ausgedehnte Wege führen über weitgehend unbewohnte Hochflächen. Gleich hinter dem Ort Richtung Eningen schließt sich ein einsam stehender Baum an, von dem aus der Wanderer ein schönes Panorama auf Würtingen genießen kann. Gleichsam geht es weiter Richtung Oberer Lindenhof, ein Versuchsgut der Uni Stuttgart-Hohenheim, unmittelbar am Albtrauf gelegen, oder zum bekannten und namensgebenden Gestütshof St. Johann, der zum Haupt- und Landgestüt Marbach gehört.

Die Zwiefalter Chronik aus dem 12. Jahrhundert berichtet 1137/38, dass das Kloster in „Wilritingen“ zweieinhalb Hofgüter und 24 Eigenleute erhalten habe. Mit diesen Chronikeinträgen ist Würtingen erstmals schriftlich erwähnt. Die Schenkungen lassen genauso auf alte achalmische Rechte schließen wie die Tatsache, dass Erzherzogin Claudia von Tirol den Ort im 30-jährigen Krieg als Teil der „Pfandschaft Achalm“ einzog.

Spätestens Mitte des 15. Jahrhunderts übte die Grafschaft Württemberg in Würtingen die Ober- und Ortsherrschaft aus. Das Dorf gehörte zum Verwaltungsbezirk „Kirchspiel“ innerhalb des Amtes Urach und wurde bei dessen Auflösung im Jahre 1938 dem Landkreis Reutlingen zugeschlagen. Bereits 1849 war die Staatsdomäne St. Johann der Gemeinde eingegliedert worden. Bei der Gemeindereform zum 1. Januar 1975 wurde Würtingen Verwaltungssitz der neuen gleichnamigen Gemeinde, die ein Jahr später den Namen „St. Johann” annahm.

Lebendiges Vereinsleben

Heute ist Würtingen ein lebendiger Ort, geprägt von einem pulsierenden Vereinsleben und einer guten Infrastruktur. Auch an Veranstaltungen hat Würtingen einiges zu bieten, stellvertretend seien an dieser Stelle zwei Events herausgegriffen: Alle zwei Jahre findet der überregional bekannte Dorfhock in der Ortsmitte rund um das Backhaus statt und seit acht Jahren gibt es den Benefizlauf „Steps for Life“, bei dem Hunderte Sportler starten.

Das alles übt natürlich auch einen gewissen Reiz aus und über stagnierende Neubürgerzahlen kann Würtingen nicht klagen: Nachdem deswegen in der jüngsten Vergangenheit verstärkt in der Ortsmitte bestehende Baulücken geschlossen wurden, arbeitet die Gemeinde nun mit Hochdruck an der Erschließung eines neuen Bau- und Gewerbegebiets im Bereich Grabenäcker/Ried. Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Als zentraler Schulort von St. Johann mit Grund-, Werkreal- und Realschule spielt Würtingen auch für Familien mit Kindern eine große Rolle. Daneben sorgen die intakte Natur aber auch die Nähe zu den Ballungsgebieten um Metzingen und Reutlingen für eine hohe Wohnqualität.

Information:
Ortsvorsteher: Rolf Rist
Kurze Straße 5, Telefon: 07122 / 820 343
www.st-johann.de

Text: Kerstin Dannath

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