Haupt- und Landgestüt Marbach – Alte Handwerksberufe

Marbach Hufschmid

Alte Handwerksberufe mit Tradition und reichlich Werkzeug

Hufschmied und Sattlerin arbeiten im Haupt- und Landgestüt Marbach Tür an Tür. Ihr Handwerk ist so alt wie gefragt. Ihre Aufgabenbereiche sind interessant, vielseitig, kreativ und überaus umfangreich. Vielseitiger können sie in einem Pferdebetrieb kaum sein.

Zum traditionellen Aufgabenbereich des Hufschmieds zählt der Beschlag mit Hufeisen. Doch damit lange nicht genug. Auch das Kürzen und Korrigieren bei Barhufgängern (Pferde, die ohne Eisen laufen) gehört dazu. Für den Hufschmied Michael Krehl „ein Alltagsgeschäft“, wie er sagt. 26 Jahre ist der kräftige Mann jetzt in Marbach dabei, ganz nach dem Motto:„ausgebildet und geblieben“, lacht er. Mangel an Arbeit kennt er derweil nicht. „Wir haben laufend Geschäft“, erzählt er und schaut zu seinem Lehrling rüber. Gut 20 junge Menschen, hat er in den zurückliegenden Jahren ausgebildet.

Alle sechs bis acht Wochen wird ein Pferd frisch beschlagen

„Man beginnt mit der Zubereitung des Hufes, bevor man beschlägt“, erklärt Krehl und spricht dabei vom „Ausschneiden und Raspeln des Horns“. Fakt: „Das Hufhorn wächst genau wie ein Fußnagel auch“. Alle sechs bis acht Wochen wird ein Pferd deshalb frisch beschlagen, dieselben Eisen können bis zu dreimal verwendet werden, informiert er. Bis ein Pferd „frisch pedikürt“ ist und wieder auf Eisen steht, vergehen rund eineinhalb Stunden. Mit Hufmesser, Hauklinge und Hufraspel geht es dann weiter zum nächsten Vierbeiner. Und wenn ein Pferd partout nicht will? „Wenn es sich gar nicht beruhigen lässt, kommt schon mal der Tierarzt vorbei und verabreicht ein Beruhigungsmittel“, beantwortet Krehl die Frage. „Junge Pferde werden oft im Stall beschlagen. In gewohnter Umgebung sind sie ruhiger“.

Seit fast 5000 Jahren existiert der Beruf

Angst vor Pferden sollte man als Schmied nicht haben. „Die Arbeit ist hart und nicht ungefährlich“, gibt Krehl zu. Seit fast 5000 Jahren existiert der Beruf, wesentliche Veränderungen darin gab es bis heute keine. Bei Stellungsfehlern oder Hufkrankheiten wird der Schmied auch therapeutisch tätig. Werden Eisen ohnehin schon individuell angepasst, gibt´s für Pferde mit genetischen oder erworbenen Problemen ganz spezielle (Korrektur-)Beschläge und sogenannte „orthopädische Hufe“. „Der Tierarzt stellt es nur fest, ein Schmied muss das Problem möglichst lösen und den Heilungsprozess mit dem richtigen Beschlag unterstützen“. Reitpferde werden genau deshalb so steinalt, glaubt der Fachmann. Dagegen hätten Wildpferde in freier Natur eine viel geringere Lebenserwartung.

Die „Anatomie des Pferdes“ muss ein Schmied von A bis Z verinnerlicht haben, schlussfolgert man als Zuhörer und kriegt Recht. Geschmiedet wird bei 900 bis 1000 Grad. Es wird gebohrt, geschweißt und genagelt. Immer noch mehr Männer wie Frauen üben den Beruf aus. Die Grundlage für eine zweijährige Ausbildung in der Schmiede ist, neben dem schulischen Part, eine abgeschlossene Berufsausbildung. „Von Vorteil ist ein Metallberuf“, empfiehlt Krehl. Maximilian Boso, der 21 Jahre alte Auszubildende vom Bodensee, ist jetzt ein Jahr in Marbach dabei und hat es genauso gemacht. „Ich habe Schlosser gelernt“, erzählt der Pferdeliebhaber. „Der Beruf ist letztlich Vertrauenssache. Am Pferd dürfen keine Fehler passieren“, hebt Krehl hervor.

Ein halbes Jahr Arbeit

So richtig gut nach Leder riecht es gleich nebenan, in der kleinen, urigen Werkstatt der Sattlerin. Sie ist „die erste Sattler-Meisterin“ im Marbacher Betrieb und bereits 25 Jahre dabei. „Früher war´s ein reiner Männerberuf“, sagt Nadja Dreher und schraubt als Frau behutsam an der Männerquote. „Die Idee reift oft mit der Arbeit“, ist ihre Erfahrung. Beides geht ihr im großen Marbacher Betrieb nicht so schnell aus, wie es scheint. Während es an der Werkstatttüre klopft, liegen auch schon 17 handgefertigte Leder-Trensen für die Reitschule bereit. „Ein halbes Jahr Arbeit“, verkündet die Sattlerin stolz und übergibt ihr lederndes Werk, das sie neben dem laufenden Tagesgeschäft handangefertigt hat, einer Reiterin.

Hauptsächlich wird mit Rinderleder gearbeitet, informiert Dreher. „In der Gerbung des Leders gibt es allerdings viele Unterschiede“, erzählt sie, während sie geduldig ihre Messer schleift. „Ich brauche die Messer so dünn und scharf wie möglich, das ist mein Werkzeug“, erklärt sie. Verletzungen sollte es damit möglichst keine geben. Überhaupt: Werkzeuge gibt es in ihrer kleinen Manufaktur, neben Nähmaschinen, jede Menge.

Vom Norden auf die Alb

Täglich repariert, näht und fertigt sie an. „Vom Zaumzeug zum Kutschensitz über Pferdedecken bis zum Sattel, gibt es eigentlich laufend etwas, das reparaturbedürftig ist oder neu gemacht werden muss“. Die Vielfalt an Arbeit, die in einem so großen Pferdebetrieb anfällt, kann fast nicht größer sein, weiß die erfahrene Meisterin, die es vom Norden auf die Alb verschlagen hat. Zwei Wochen müssen ihr für einen neuen Sattel dabei schon reichen. Genäht wird heute mit Nylonfäden. Früher waren es Hanf- und Leinfäden. „Für mich ist es eine Leidenschaft, mit Leder zu arbeiten“, strahlt Dreher. Schaut man ihr bei Arbeit zu, so hat man keinen Zweifel daran.

Text & Fotografie: Patricia Kozjek

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