Archäologie Heidengraben

Keltische Schätze kehren zurück in die Heimat

Vor 120 Jahren entdeckt - Raritäten aus der Keltenzeit – Zum Auftakt der Keltentage in St. Johann sind die über 2000 Jahre alten Relikte im Würtinger Rathaus zu sehen.

Was gibt es Neues im Rathaus Würtingen? Haben Sie denn das Alte schon gesehen? Ein Dialog, der von nun an im 240 Jahre alten Gebäude im Teilort von St. Johann wahrlich geführt werden kann. Die nächsten fünf Jahre können hier beeindruckende Keltische Funde, darunter drei prächtige Keramikteller, ein Glasring und sechs Eisenbarren bestaunt werden. „Die größte Aussagekraft haben historische Funde immer da, wo sie gefunden werden“,sagt Kelten-Experte und Schulleiter Klaus Besch. Wahrhaftig! Allesamt wurden sie um 1891 auf der Alb in St. Johann ausgegraben und zählen derweil zu den ältesten Funden des Reutlinger Heimatmuseums, welches die wertvollen Zeitzeugnisse nun pünktlich zum Auftakt des Archäologischen Symposiums „1. Keltentage St. Johann“ an Würtingen verliehen hat.

Ideen- und Projektgeber Michael Schwarz sei es zu verdanken, dass das Thema der Kelten in Würtingen überhaupt in dieser Form aufgegriffen worden sei, betonte Bürgermeister Eberhard Wolf bei der Eröffnung. „Vorerst konnten wir aber nur einen kleinen Teil seiner Ideen umsetzen“, unterstrich der Schultes und machte damit Hoffnung auf mehr. „Wenn alte Erkenntnisse mit den historischen Funden den Weg ans Licht finden, hat das Einwirkungen auf unser Dasein“, glaubt Schwarz.

Älteste Funde des Reutlinger Heimatmuseums

Die verwirklichte Ausstellung in Würtingen gleiche einem aufgestoßenen Tor, durch das „ein Lichtstrahl aus der Vergangenheit dringt“, so Schwarz. Auf eine Zeitreise durch St. Johann, rund 2600 Jahre zurück, lud Hobbyforscher Klaus Besch die Besucher ein. “Auch in unserer Region waren die Waffen und Geräte mit der Zeit nur noch selten aus Bronze, sondern wurden aus kostbarem Eisen gefertigt“. Weithin bekannt sei das wertvolle Handelsgut, die geformten Eisenbarren in doppelt, pyramidaler Form in der St. Johanner Schmiede gefertigt, von herausragender Qualität gewesen, so Besch. Auch über den Tod hinaus wollten die Vornehmen mit ihren kostbaren Waffen verbunden bleiben und mit ihnen bestattet werden. „Töpferische, filigrane Meisterwerke“ mit aufwendigen Mustern wurden ebenfalls für die feierliche Kelten-Zeremonie hergestellt. „Wenn es eine Steigerung bedurfte, so wurde dem Grab auch ein Schmuckstück aus wertvollem, gefärbten Glas hinzugefügt“, erklärte Besch. Die hölzerne Grabkammer dann mit einem Erdhügel aufgeschüttet – das Keltengrab. „Je bedeutender der Tote, umso größer die Dimension und reicher der Inhalt. „Die Schalen, ein kostbarer Ring und die Barren sind nun an den Ort ihrer Entstehung zurückgekehrt“, dankte Besch allen „Kelteninfizierten“ für das Bewahren der Denkmäler.

Text und Fotografie: Patricia Kozjek

www.vhsrt.de oder 07121/336100
www.kelten-2012.de
Fakt Mitglieder bestaunen die Keramikschale von ca. 800 v.Chr.
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6 Eisenbarren ca. 200 v. Chr.